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Log-Management für Unternehmen: Was protokollieren, wie lange aufbewahren, - Cybersicherheit und digitaler Schutz
Security Operations

Log-Management: Was protokollieren, wie aufbewahren und auswerten

Log Management: wichtige Ereignisse protokollieren, Aufbewahrungsfristen nach NIS2/ISO 27001 und zentrales SIEM mit ELK, Graylog oder Splunk.

Oskar Braun Abteilungsleiter Information Security Consulting
9 Min. Lesezeit
ISO 27001 Lead Auditor (IRCA) ISB (TÜV) T.I.S.P. (TeleTrusT)

TL;DR

Ein effektives Log-Management ist für die Incident Response und Compliance im Mittelstand unverzichtbar, um nach Sicherheitsvorfällen nicht im Dunkeln zu tappen. Dieser Artikel beleuchtet, welche Ereignisse prioritär protokolliert werden müssen, wie etwa erfolgreiche und fehlgeschlagene Logins (Event ID 4624/4625) im Active Directory oder das Starten neür Prozesse (Event ID 4688) auf Endpunkten. Zudem erfahren Sie, dass Logs gemäß NIS2 mindestens 12 Monate und nach PCI DSS v4 sogar 12 Monate, davon 3 Monate sofort verfügbar, aufbewahrt werden sollten. Für die zentrale Verwaltung bieten sich kostenfreie Open-Source-Lösungen wie Graylog Open oder der ELK Stack an, die leistungsstarke Analyse- und Alerting-Funktionen bereitstellen.

Diese Zusammenfassung wurde KI-gestützt erstellt (EU AI Act Art. 50).

Inhaltsverzeichnis (4 Abschnitte)

„Wir wissen nicht was passiert ist" - dieser Satz nach einem Sicherheitsvorfall ist vermeidbar. Zentrales Log-Management ist die Voraussetzung für Incident Response, Forensik und Compliance-Nachweise. Und es ist günstiger als die meisten denken: Open-Source-Lösungen wie ELK Stack oder Graylog sind leistungsfähig und kostenfrei.

Was muss protokolliert werden?

KRITISCH (ohne diese ist Incident Response unmöglich):

Active Directory / Entra ID:

  • Event ID 4624: Erfolgreicher Login
  • Event ID 4625: Fehlgeschlagener Login (Brute Force!)
  • Event ID 4648: Login mit explizitem Credential (Pass-the-Hash?)
  • Event ID 4720: User-Account erstellt
  • Event ID 4726: User-Account gelöscht
  • Event ID 4728/4732/4756: User zu privilegierter Gruppe hinzugefügt
  • Event ID 4740: Account gesperrt (Brute Force?)
  • Event ID 4768/4769: Kerberos TGT/Ticket requested
  • Event ID 4771: Kerberos pre-authentication failed

Firewall / Perimeter:

  • Alle verworfenen eingehenden Verbindungen
  • Erlaubte eingehende Verbindungen auf Port 22, 3389, 443
  • Alle ausgehenden Verbindungen auf ungewöhnliche Ports
  • VPN-Logins und -Logouts

Endpunkte (Windows Event Log):

  • Event ID 4688: Neuer Prozess gestartet (Process Creation)
  • Event ID 7045: Neuer Dienst installiert (Persistence!)
  • Event ID 4657/4663: Registry- / Datei-Zugriff auf kritische Pfade
  • Event ID 4698: Geplante Aufgabe erstellt (Persistence!)
  • Event ID 1102/104: Event Log gelöscht (Angreifer verwischt Spuren!)

WICHTIG:

Web Server / Reverse Proxy:

  • Alle HTTP-Requests mit Status-Code 4xx, 5xx
  • User-Agent, Source-IP, URL
  • Authentifizierungsversuche

Datenbank:

  • Fehlerhafte Login-Versuche
  • DDL-Operationen (CREATE TABLE, DROP TABLE)
  • Große Data-Exports (SELECT * mit vielen Zeilen)

E-Mail-Gateway:

  • Blockierte E-Mails (Phishing-Versuche!)
  • E-Mails mit verdächtigen Anhängen
  • Spam-Score-Überschreitungen

VPN:

  • Alle Logins mit IP-Adresse
  • Verbindungsdauer
  • Transfervolumen pro Session

DNS:

  • Alle DNS-Abfragen (wertvoll für C2-Erkennung)
  • NXDOMAIN-Antworten (Typosquatting-Versuche?)
  • Abfragen für bekannte Malware-Domains

Log-Aufbewahrungsfristen

Regulatorische Mindestfristen:

  • DSGVO: Keine direkte Vorschrift für Log-Retention. Art. 5(1)(e) Speicherbegrenzung - nicht länger als nötig. Art. 30: Verarbeitungsverzeichnis muss Log-Kategorien enthalten. Praxis: 6-12 Monate für Security-Logs, Einzelfälle dokumentieren.
  • NIS2 (Art. 21): "Sicherheitsmaßnahmen" implizieren Logs für Incident Response. Branchenempfehlung: 12 Monate für sicherheitsrelevante Logs.
  • ISO 27001:2022 A.8.15: "Ereignisprotokollierung: Aufzeichnungen erzeugen, schützen, analysieren". Keine spezifische Retention-Dauer - Orientierung an Risikobewertung.
  • BSI IT-Grundschutz OPS.1.1.5: Min. 6 Monate für sicherheitsrelevante Ereignisse.
  • PCI DSS v4 Req. 10.7: Min. 12 Monate, davon 3 Monate sofort verfügbar.
  • SOX (Sarbanes-Oxley, US-börsennotiert): 7 Jahre für Finanz-relevante Logs.

Empfohlene Retention-Zeiten:

Log-TypEmpfehlungBegründung
Firewall-Logs12 MonateIncident Investigation
Authentication-Logs (AD)12 MonateForensik, Compliance
Security-Events (Endpoints)12 MonateDFIR
Web-Server-Logs6 MonateSecurity + Debugging
Datenbank-Logs12 MonateDatenschutz-Audit
E-Mail-Logs6 MonateCompliance
DNS-Logs3 MonateThreat Hunting
NetFlow3 MonateNetwork Forensik
Application-Logs3 MonateDebugging
Debug-Logs30 TageNur Troubleshooting

Log-Aufbewahrung sicher:

  • Schreibschutz: Logs dürfen nicht gelöscht oder modifiziert werden
  • Unveränderlichkeit: WORM-Storage oder kryptographische Integrität
  • Zugriff: nur Sicherheitsteam, nicht die Admins deren Aktionen geloggt werden!
  • Trennung: Log-Server separat vom übrigen Netz

Zentrales Log-Management

Klein (< 50 Mitarbeiter):

Syslog + Logwatch - Minimallösung: rsyslog sammelt Logs, Logwatch sendet Daily-Report. Kosten: 0 EUR, Aufwand: 2h Einrichtung. Nachteil: kein SIEM, manuelle Analyse.

Graylog Open (graylog.org/products/open, kostenlos) - zentrales Log-Management mit Dashboards, Alerting, Suche, Visualisierung. Benötigt ~8 GB RAM für Basisinstallation, Kosten: 0 EUR + Server-Betriebskosten.

Mittelstand (50-500 Mitarbeiter):

ELK Stack (Elasticsearch + Logstash + Kibana):

  • Elasticsearch: Speicher und Suche
  • Logstash: Parsing und Normalisierung
  • Kibana: Visualisierung und Dashboards
  • Filebeat/Winlogbeat: Log-Shipper auf Clients/Servern

Docker-Compose Beispiel:

version: '3'
services:
  elasticsearch:
    image: elasticsearch:8.11.0
    environment:
      - discovery.type=single-node
      - xpack.security.enabled=true
    volumes:
      - es-data:/usr/share/elasticsearch/data

  kibana:
    image: kibana:8.11.0
    ports:
      - "5601:5601"
    depends_on:
      - elasticsearch

  logstash:
    image: logstash:8.11.0
    volumes:
      - ./logstash/pipeline:/usr/share/logstash/pipeline

OpenSearch (AWS-Fork von ELK, kostenlos) - gute Alternative zu ELK, kein X-Pack-Lizenzproblem, mit OpenSearch Dashboards (=Kibana-Fork).

Enterprise (500+ Mitarbeiter):

  • Microsoft Sentinel (Cloud-SIEM): nahtlos in M365/Azure integriert, KQL-basierte Abfragen und Alerts, ~2 USD/GB injested data, 90-Tage-Retention inklusive.
  • Splunk Enterprise: Marktführer bei Enterprise SIEM, mächtige SPL (Search Processing Language), teuer (ab ~50k EUR/Jahr), aber sehr leistungsfähig.
  • Elastic Security (kostenpflichtig): ELK + Security Analytics, SIEM-Funktionen und Detection Rules, günstigere Alternative zu Splunk.

Wichtigste Security-Alerts

Alert 1: Brute Force Login-Versuche - Trigger: >10 fehlgeschlagene Logins für gleichen Account in 5 Min. oder >50 fehlgeschlagene Logins verschiedener Accounts von gleicher IP. Graylog-Suche: EventID:4625, Aggregation: count() > 10 per user per 5min, Aktion: E-Mail an Security + Account sperren (optional).

Alert 2: Erfolgreicher Login nach vielen Fehlversuchen - Trigger: EventID 4624 (Erfolg) nach >5x EventID 4625 (Fehlschlag). Bedeutet: Brute-Force erfolgreich!

Alert 3: Privilegierte Gruppe verändert - Trigger: EventID 4728 (User zu Admin-Gruppe hinzugefügt). Aktion: Sofort benachrichtigen, manuell prüfen.

Alert 4: Event Log gelöscht - Trigger: EventID 1102 oder 104. Angreifer versucht Spuren zu löschen! Aktion: Sofortiger Alarm, Incident Response starten.

Alert 5: Neuer Dienst / geplante Aufgabe - Trigger: EventID 7045 (Dienst) oder 4698 (Scheduled Task) außerhalb Wartungsfenster - verdächtig!

Alert 6: Ausgehende Verbindungen zu ungewöhnlichen Ports - Trigger: TCP ausgehend Port 4444, 1337, 31337, 8080, 9001. Typische C2/Backdoor-Ports.

Alert 7: Große Datenmenge ausgehend - Trigger: >100 MB an eine externe IP in einer Stunde (von einem Host). Mögliche Datenexfiltration!

Alert 8: DNS-Anomalien - Trigger: >500 DNS-Queries in einer Stunde von einem Host oder DNS-Anfragen an Domain <7 Tage alt. Hinweis auf DNS-Tunneling / C2 via DNS.

Alert-Kanal-Empfehlung:

PrioritätKanal
CRITICALSMS + Anruf (sofortige Reaktion nötig)
HIGHE-Mail + Teams/Slack-Message
MEDIUME-Mail
LOWTäglicher Report

Ohne Logs ist Incident Response blind. AWARE7 hilft beim Aufbau zentraler Log-Management-Infrastruktur - von der einfachen Graylog-Instanz bis zum vollständigen Microsoft Sentinel SIEM.

Log-Management-Beratung anfragen | SIEM und SOC

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