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Compliance & Recht Glossar

DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung)

EU-Datenschutzgesetz (seit Mai 2018) das alle Unternehmen die personenbezogene Daten von EU-Bürgern verarbeiten zur Einhaltung verpflichtet. Bußgelder bis 4% des weltweiten Jahresumsatzes oder 20 Mio. € - je nachdem was höher ist.

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) - englisch GDPR (General Data Protection Regulation) - ist seit 25. Mai 2018 in der gesamten EU unmittelbar anwendbar. Sie gilt für jedes Unternehmen, das personenbezogene Daten von EU-Bürgern verarbeitet - unabhängig davon, wo das Unternehmen ansässig ist (Marktortprinzip).

Kernprinzipien der DSGVO (Art. 5)

Die DSGVO basiert auf 7 Grundprinzipien, die in Art. 5 DSGVO verankert sind:

  1. Rechtmäßigkeit, Verarbeitung nach Treu und Glauben, Transparenz - Verarbeitung braucht Rechtsgrundlage
  2. Zweckbindung - Daten nur für festgelegte, legitime Zwecke
  3. Datenminimierung - Nur so viele Daten wie nötig
  4. Richtigkeit - Daten müssen korrekt und aktuell sein
  5. Speicherbegrenzung - Löschen wenn nicht mehr benötigt
  6. Integrität und Vertraulichkeit - Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)
  7. Rechenschaftspflicht - Unternehmen müssen Compliance nachweisen können

Rechtsgrundlagen für die Datenverarbeitung (Art. 6)

Jede Verarbeitung personenbezogener Daten braucht eine Rechtsgrundlage:

RechtsgrundlageWann anwendbar
Einwilligung (Art. 6 I a)Newsletter, Marketing-Cookies, Analyse
Vertragserfüllung (Art. 6 I b)Kundendaten für Auftragsabwicklung
Rechtliche Verpflichtung (Art. 6 I c)Steuerrechtliche Aufbewahrungspflichten
Lebenswichtige Interessen (Art. 6 I d)Notfälle, selten relevant
Öffentliches Interesse (Art. 6 I e)Behörden, Forschung
Berechtigtes Interesse (Art. 6 I f)B2B-Marketing, Sicherheit - Interessenabwägung nötig

Rechte der Betroffenen (Art. 15-22)

Unternehmen müssen diese Rechte technisch und organisatorisch ermöglichen:

  • Auskunftsrecht (Art. 15): Was speichern wir über Sie?
  • Berichtigungsrecht (Art. 16): Falsche Daten korrigieren
  • Recht auf Löschung (Art. 17): “Recht auf Vergessenwerden”
  • Recht auf Einschränkung (Art. 18): Verarbeitung pausieren
  • Recht auf Datenübertragbarkeit (Art. 20): Maschinenlesbare Exportdatei
  • Widerspruchsrecht (Art. 21): Gegen Direktmarketing, Profiling
  • Recht auf Nichtbewertung (Art. 22): Keine automatisierten Entscheidungen ohne Mensch

TOMs - Technische und Organisatorische Maßnahmen (Art. 32)

Art. 32 DSGVO verpflichtet zur Umsetzung “geeigneter technischer und organisatorischer Maßnahmen”:

Technisch:

  • Verschlüsselung personenbezogener Daten (TLS in Transit, AES-256 at Rest)
  • Pseudonymisierung (Trennung von Identifikator und Daten)
  • Zugriffskontrollen (Least Privilege, MFA)
  • Backup und Wiederherstellbarkeit
  • Regelmäßige Tests der Sicherheitsmaßnahmen (Penetrationstest, Schwachstellenscan)

Organisatorisch:

  • Mitarbeiter-Schulungen zur DSGVO
  • Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA) für riskante Verarbeitungen
  • Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30 DSGVO)
  • Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) mit Dienstleistern

Meldepflicht bei Datenschutzverletzungen (Art. 33-34)

Frist: 72 Stunden nach Bekanntwerden einer Datenpanne.

Meldung an:

  • Aufsichtsbehörde (in Deutschland: jeweiliges Landesamt): immer
  • Betroffene Personen (Art. 34): wenn hohes Risiko für ihre Rechte

Was ist meldepflichtig?

  • Unbefugter Zugriff auf Kundendaten
  • Ransomware-Angriff der Daten verschlüsselt/exfiltriert
  • Verlorener Laptop mit unverschlüsselten Kundendaten
  • Versehentliche E-Mail mit falschen Empfängern (bei sensiblen Daten)

Was ist nicht meldepflichtig?

  • Angriff wurde abgewehrt, keine Daten betroffen
  • Verschlüsselte Daten verloren (Schlüssel nicht kompromittiert)

Bußgelder: Zwei Stufen

StufeMax. BußgeldBeispiele
Höherer Rahmen20 Mio. € oder 4% JahresumsatzArt. 5, 6, 7 (Verarbeitungsgrundsätze), Art. 9 (sensible Daten)
Niedrigerer Rahmen10 Mio. € oder 2% JahresumsatzArt. 8 (Einwilligung Kinder), Art. 11-22 (technische Anforderungen)

Hohe Bußgelder in der Praxis:

  • Meta/Facebook: 1,2 Mrd. € (2023, Datentransfer USA)
  • Amazon: 746 Mio. € (2021, Tracking ohne Einwilligung)
  • WhatsApp: 225 Mio. € (2021, Transparenzpflichten)

Deutschland: Durchschnittliche Bußgelder in Deutschland deutlich geringer, aber steigend. Fokus der BayLDA/LDI auf technische Sicherheit.

DSGVO und IT-Sicherheit: Direkte Verbindung

Art. 32 DSGVO verlangt explizit Informationssicherheitsmaßnahmen. ISO 27001-Zertifizierung dient als Nachweis der Einhaltung von Art. 32:

ISO 27001 KontrolleDSGVO Anforderung
A.8.24 (Kryptographie)Art. 32 (TOMs: Verschlüsselung)
A.8.15 (Logging)Art. 5 (Rechenschaftspflicht)
A.6.8 (Incident Reporting)Art. 33 (72h-Meldepflicht)
A.8.10 (Datenlöschung)Art. 17 (Recht auf Löschung)

Datenschutzbeauftragter (DSB) - Art. 37

Ein DSB ist Pflicht wenn das Unternehmen:

  • Öffentliche Stelle ist
  • Kerntätigkeit umfangreiche Verarbeitung besonderer Kategorien (Gesundheitsdaten, etc.)
  • Umfangreiche, regelmäßige und systematische Beobachtung von Personen

Auch ohne Pflicht ist ein freiwilliger DSB empfehlenswert (Haftungsschutz, DSGVO-Expertise).

Auftragsverarbeitung (AVV) - Art. 28

Jede externe Stelle die im Auftrag personenbezogene Daten verarbeitet, braucht einen AVV:

  • Cloud-Anbieter (AWS, Azure, M365)
  • SaaS-Anbieter (CRM, HR-Software)
  • Newsletter-Dienste
  • IT-Dienstleister mit Datenzugang

Der AVV regelt: Zweck, Weisungsgebundenheit, Unterauftragnehmer, technische Sicherheit, Löschung nach Auftragsende.

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